25.04.17

HBCD-Fahrplan zum 30.12.2017

Ab dem 31.12.2017 sind HBCD-haltige Abfälle wieder gefährlich. Der Entsorgungsverband des Norddeutschen Handwerks (ENH) hatte im letzten Jahr angekündigt, die weitere Entwicklung zur HBCD-Entsorgung eng zu begleiten und sich dafür einzusetzen, dass die gewonnene Zeit sinnvoll für praxisgerechte Lösungen genutzt wird. Der ENH hat sein Versprechen gehalten und im Rahmen der 2. Expertenrunde zum Thema gemeinsam mit der Handwerkskammer Hamburg, Herstellern, Vertreibern, Entsorgern, Verbrennungsanlagenbetreibern, Handwerkern des Bau-, Dachdecker-, Sanitär-, Heizungs- und Klempnergewerbes, der Bauwirtschaft, der Abbruchwirtschaft sowie Innungen und Verbänden einen HBCD-Fahrplan zum 30.12.2017 erarbeitet, der ein Weg für Hamburg und andere Bundesländer sein kann.

HBCD bleibt gefährlicher Abfall
Das in Deutschland bis 2014 in der Dämmung eingesetzte Flammschutzmittel HBCD ist erbgutschädigend und reichert sich als „persistenter Stoff“ in der Natur an. Daher ist nach bisherigem Kenntnisstand nicht davon auszugehen, dass das Moratorium verlängert wird.

Thermische Verwertung langfristig alternativlos
HBCD-haltige Abfälle lassen sich nicht vermeiden (z.B. Abbruch) und können nicht deponiert werden. Für eine stoffliche Verwertung im Sinne einer industriellen Aufbereitung reichen die Mengenströme derzeit nicht aus. Alternative Entsorgungsverfahren stehen nicht zur Verfügung. Die thermische Verwertung ist langfristig alternativlos.

Verbrenner können Mono-Verwertung technisch nicht leisten
Für die Anlagenbetreiber sind Monochargen Styropor kein Mengenproblem sondern ein Volumenproblem. Die Abfälle haben ein geringes Gewicht, einen hohen Heizwert und ein hohes Volumen. Das Material verbrennt unverzüglich und unterbricht eine kontinuierliche Verbrennung. Daher muss es gemeinsam mit anderen Materialien verbrannt werden. Die Anlagen haben in der Regel selbst nicht die Möglichkeit, HBCD-Abfälle mit anderen Materialien zu kombinieren.

Entsorger müssen qualifizierte Konditionierung sicherstellen
Nur die Entsorger sind qualifiziert, HBCD-haltige Abfälle für die Behandlung in den Verbrennungsanlagen zu konditionieren. Die Hersteller empfehlen aufgrund eigener Untersuchungen einen Styropor-Anteil von maximal 1 Gewichtsprozent (entspricht ca. 10 bis 15 Volumenprozent), damit die Anlagen das Material verarbeiten können. Letztlich wird das zulässige Mischungsverhältnis Gegenstand der behördlichen Genehmigungen sein.

Genehmigungen müssen beantragt werden
Für eine Verwertung des gefährlichen Abfalls brauchen die Anlagenbetreiber eine Genehmigung und entsprechende Gutachten. Die Entsorger brauchen Genehmigungen, um die Abfälle zu konditionieren. Diese Genehmigungen müssen bei den zuständigen Behörden beantragt werden. Insbesondere die Entsorger sind hier gefragt, aktiv zu werden, da sich aufgrund ihrer Schlüsselrolle für sie neue Geschäftsmöglichkeiten ergeben.

Handwerk muss Abfallstrom separieren
Da HBCD-haltige Abfälle ab dem 31.12.2017 wieder gefährlich sind, dürfen Handwerker diese nicht mit ungefährlichen Abfällen vermischen und müssen HBCD-haltige Styroporabfälle separat erfassen.  Die Kosten für die Beprobung und die Konditionierung der HBCD-Abfälle müssen in Angebote einkalkuliert werden, um nicht zu Lasten des Handwerks, der Bau- oder der Abbruchwirtschaft zu gehen.

Einigkeit der Expertenrunde bei ungelösten Problemen
Die Expertenrunde war sich einig, dass die Politik den erhöhten Aufwand insbesondere im sozialen Wohnungsbau berücksichtigen und sich gemeinsam mit der Wirtschaft aktiv an der Lösung der Probleme beteiligen muss. Die Hersteller sind gefragt, mit der Entsorgungswirtschaft Kennzeichnungen für HBCD-freies Material zu entwickeln, die in der Praxis akzeptiert werden. Der ENH wird gemeinsam mit der Handwerkskammer Hamburg die weitere Entwicklung als Berichterstatter begleiten und sich für die Beschaffung von Informationen und ihrer Verbreitung unter den beteiligten Akteuren einsetzen.

Über den ENH-Entsorgungsverband
- Gründung 1998 in Hamburg
- Über 600 Mitglieder
- Vorstand: Heinz Essel (Vors.), Rolf de Vries (stv. Vors.), Martin Rumpff, Klaus Ramm, Arnold Rückert (Beisitzer)

In Hamburg entsorgen die über den ENH-Entsorgungsverband organisierten Handwerksunternehmen ihre Gewerbeabfälle privatwirtschaftlich organisiert, konzernunabhängig und damit sowohl kostengünstig und flexibel als auch rechtssicher. Eine weitere Besonderheit des ENH-Entsorgungsverbands liegt in der einzigartigen Möglichkeit, die Erzeugerhaftung für andienungspflichtige Abfälle auf den Verband zu übertragen.

Durch die Bündelung der Mengen vieler Einzelunternehmen können Entsorgungspreise erzielt werden, wie sie sonst nur Großunternehmen aushandeln können.

Neben der Rechtssicherheit für die Unternehmen ergeben sich weitere Vorteile wie die permanente Mengen- und Kostentransparenz, Planungssicherheit durch stabile Preise, Bürokratieabbau und fachkundige neutrale Beratung.

ENH-Pressekontakt

ENH - Entsorgungsverband des Norddeutschen Handwerks e.V.

Christoph Brellinger
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